Montag, 22. März 2021

800 Jahre alte Gräber werden auf dem Petriplatz freigelegt

Archäologie Petriplatz Ausgrabung Claudia Melisch
Auf dem ehemaligen Kirchhof im Zentrum Berlins sind noch einige unerforschte Gräberfunde zu erwarten.
Archäologin Claudia Melisch, Expertin für das mittelalterliche Berlin, wird die kommenden drei Monate nach Spuren der ersten Berlinerinnen und Berliner suchen.

Bevor der Bau des House of One beginnt, nimmt Archäologin Claudia Melisch noch einmal Grabungen auf dem einstigen Kirchhof der Petrikirche vor. Wo sich einst der Kirchhof der Petrikirche befand, rechnet die Expertin für das mittelalterliche Berlin damit, in den kommenden Wochen weitere Gräber aus den Gründungsjahren der Stadt zu finden. „Bald wird es Neues von den ersten Berlinerinnen und Berlinern zu berichten geben“, sagt Melisch am Montag (22. März 2021), „Jedes Grab, das wir entdecken, verrät uns mehr über die Lebensverhältnisse dieser Menschen.“

Die ältesten Gräber an diesem Ort wurden in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts angelegt. Das ist aus den ersten Grabungen 2007 bis 2015 bekannt. Die Archäologin geht daher davon aus, dass es zu dieser Zeit auch schon eine Kirche, die erste Petrikirche, an dem Ort gegeben haben muss. „Das kann ein einfacher Holzbau gewesen sein“, sagt Melisch. Spuren davon wurden daher bislang nicht gefunden. Während der ersten Untersuchungen aber konnte Melisch als Grabungsleiterin bereits mehr als 3.000 Gräber auf dem einstigen Kirchhof mit fast 4.000 Skeletten freilegen.

 

Archäologische Grabungen auf dem Petriplatz I Interview mit Archäologin Claudia Melisch

 

Archäologische Führung auf dem Petriplatz

 

Die für April und Mai geplanten Führungen auf dem Petriplatz müssen aufgrund der Kontaktbeschränkungen und den steigenden Infektionszahlen leider entfallen. Wer mehr über die bewegte Geschichte am Urort Berlins wissen möchte, kann nun aber in unserer "digitalen" Führung mit Grabungsleiterin Claudia Melisch mehr erfahren. Von der christlichen Kirche zum Drei-Religionen-Haus – auch darüber gibt es einiges zu erzählen und der historische Exkurs wird daher ergänzt durch einen Blick in die Zukunft.

Mit Aufsicht auf Besserung laden wir zu den Führungen im Juni auf den Petriplatz ein:

Wann?           11. Juni um 16 Uhr

Wo?                 Brüder-/Ecke Scharrenstraße am Petriplatz, 10178 Berlin

Dauer?            1 Stunde

 

Anmeldungen bitte unter info@house-of-one.org. Coronabedingt sind die Plätze begrenzt. Ohne Anmeldung ist eine Teilnahme leider nicht möglich.

Die Führung ist kostenlos. Spenden stets willkommen.

 

Berlins Gründungsdatum zurückdatieren

 

Bislang galt die Urkunde von 1237 von dem Pfarrer namens Symeon, dem ersten bekannten Prediger der Petrikirche, als offizielle Geburtsurkunde Berlins. Mit dem Fund weiterer Zeugnisse von Stadtbewohnern aus der Zeit um 1150 werden sich auch die Belege dafür mehren, dass die Stadt wohl fast hundert Jahre älter ist.

Bis in die 1960er Jahre bildete die St.Petri-Kirche das spirituelle Zentrum des Petriplatzes und dessen Nachbarschaft. 1964 wurde die erst 1853 geweihte im Zweiten Weltkrieg beschädigte Petri-Kirche gesprengt. So sollte Raum für die Neugestaltung Ostberlins als sozialistisches Vorzeigemetropole und Hauptstadt der DDR geschaffen werden. Zuvor gab es mindestens drei weitere Kirchbauten, die immer wieder durch Feuer zerstört und verändert wieder aufgebaut wurden.

 

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