Dienstag, 5. März 2019

Baugrund für einen symbolischen Euro

Klaus Lederer
Michael Müller, Klaus Lederer

Mit großer Freude ist in der Stiftung House of One – Bet- und Lehrhaus Berlin die Entscheidung des Berliner Senats an diesem Dienstag zur Überlassung des Baugrundstücks auf dem Petriplatz in Erbbaupacht aufgenommen worden. „Für uns alle, die seit Jahren an dem Projekt arbeiten, ist dies ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung der Realisierung des House of One“, sagte Rabbiner Andreas Nachama, Vorsitzender des Stiftungsrats. „Mit Dankbarkeit und Freude nehmen wir die wunderbare Neuigkeit zur Kenntnis, vor allem auch das Engagement des Regierenden Bürgermeisters für dieses wegweisende Friedensprojekt. Wir freuen uns darauf, bald mit Michael Müller gemeinsam im künftigen Kuratorium das House of One weiter voranbringen zu können.“

Imam Kadir Sanci, mit Nachama im Präsidium der Stiftung, ergänzt: „Berlin wächst zur Hauptstadt der Toleranz. Diese Entscheidung sehe ich als erneute Bestätigung dafür, dass die Stadt das richtige Zuhause für unser Projekt der Verständigung ist, nicht nur der Religionen untereinander, sondern auch mit der weltlichen Gesellschaft.“

 

Senator Lederer: Weltweites Vorbild

 

Kultursenator Klaus Lederer, der von Beginn seiner Amtszeit an, das House of One unterstützt hat, sagte nach dem Beschluss: „Mit dieser Entscheidung würdigt der Senat die große Bedeutung des House of One. Es wird als weltweites Vorbild für Toleranz, Offenheit, erfolgreichen Dialog und konstruktives Miteinander der Religionen in einer pluralen Stadt stehen.“ Schon heute leiste das House of One wichtige Verständigungsarbeit in Berlin.

Auf dem Petriplatz in Berlin Mitte planen drei Berliner Gemeinden – eine jüdische, eine christliche und eine muslimische – einen Sakralbau mit einer Synagoge, einer Kirche und einer Moschee unter einem Dach sowie einem zentralen Raum der Begegnung mit allen anderen religiösen und nicht religiösen Menschen. In Berlin, wo einst durch die Freundschaft Lessings und Moses Mendelssohns religiöse Emanzipation und Aufklärung zu einem europäischen Projekt wurde, wo 1989 durch die Kraft der Worte und die Kraft gewaltlosen Widerstands der „eiserne Vorhang“ fiel, wird das House of One ein Ort sein, an dem das Miteinander der Religionen friedvoll, in großer Offenheit und in Würdigung der Verschiedenheit gelebt wird.

Die Grundsteinlegung ist für den 14. April 2020 geplant, dem Jahrestag der Uraufführung von Lessings „Nathan der Weise“. Im Januar wurde der temporäre Veranstaltungspavillon des House of One auf dem Petriplatz abgebaut. In den kommenden Wochen untersuchen die Archäologen noch einige nicht erschlossene Stellen auf dem Gelände, bevor die Vorbereitungsarbeiten für den Bau beginnen, der auf den Fundamenten der historischen Petri-Kirche errichtet werden wird.

Die Kosten des Baus belaufen sich nach derzeitiger Planung auf 43,5 Millionen Euro. 10 Millionen Euro hat der Bund im November vergangenen Jahres hierfür bewilligt, der Berliner Senat stimmte der Vergabe von Mitteln in derselben Höhe im Februar dieses Jahres zu. Menschen aus aller Welt haben bislang 9,2 Millionen Euro gespendet, viele davon durch den Kauf eines symbolischen Steins im Wert von 10 Euro.