Freitag, 14. Dezember 2018

Ein Haus des Friedens für Zentralafrika

Zentralafrikanische Republik

Für ein Leben ohne Angst

 

In der Zentralafrikanischen Republik bestimmen Hunger und Gewalt den Alltag der Menschen. Das Land im Herzen des afrikanischen Kontinents kann viele Negativrekorde verzeichnen. Wer hier geboren ist, hat die niedrigste Lebenserwartung weltweit, nur wenige Einwohner verfügen über ausreichend Essen und die Säuglingssterblichkeit ist die zweithöchste auf dem Globus. Fast sechs Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs, in der Milizen der christlichen Bevölkerungsmehrheit denen der muslimischen Minderheit gegenüber stehen, hat Unicef aktuell vor einer weiteren Zuspitzung der humanitären Krise gewarnt.

Seit Jahren unterstützt die Stiftung House of One die einzige interreligiöse Friedensinitiative in der Region. Bereits 2013 haben in der ZAR die geistlichen Führer der katholischen und protestantischen Christen – Kardinal Dieudonné Nzapalainga und Pastor Nicolas Guerekoyamè-Gbangou - sowie der Muslime – Imam Omar Kobine Layama - gemeinsam die „Plateforme des Confessions Religieuses de Centrafrique“ (PCRC) gegründet, eine interreligiöse Friedensplattform. Mit großem Mut und persönlichem Risiko treten die Religionsführer mit ihrenUnterstützern den Konfliktparteien entgegen, die weniger um religiöse Zugehörigkeit als vielmehr um Diamanten, Gold, Uran, Tropenholz und Macht kämpfen.

Die Geistlichen sind Projektbotschafter des House of One. Und mehr als das: Sie planen, die Idee des House of One in ihrem Land fortzupflanzen und ein „Maison de la Paix“, ein Haus des Friedens für Christen und Muslime in der Hauptstadt Bangui zu gründen. Derzeit entwickeln mit Unterstützung der Architekten des House of One, KuehnMalvezzi, Studierende an den Universitäten von Weimar und dem togolesischen Lomé Ideen für einen solchen Bau.

Unterstützt wird das Vorhaben von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Der katholische Theologe Ulrich Nitschke, Leiter des Bereichs „Werte, Religion und Entwicklung“ der GIZ, spricht über die Rolle des House of One im Friedensprozess in Zentralafrika.

 

House of One: Herr Nitschke, warum unterstützt die GIZ die Kooperation des House of One mit der interreligiösen Plattform in Bangui für ein „Maison de la Paix“?

Ulrich Nitschke: Wir schauen, welche religiösen Akteure vor allem in der interreligiösen Zusammenarbeit aktiv sind. Dazu gehören neben großen Hilfswerken wie Misereor oder „Brot für die Welt“ eben auch kleinere Initiativen, die durch interreligiöse Kooperation und konfliktsensibles Arbeiten in der eigenen Gesellschaft friedensstiftend wirken. Das House of One ist in diesem Sinne ein sehr guter Beitrag, weil die drei abrahamitischen Religionen gemeinsam ein Haus mit ihren jeweils eigenen Sakralräumen errichten sowie einem zentralen Raum, der allen Religionsgemeinschaften der Welt sowie Religionslosen offen steht, plus der Idee des Bethauses.

 

Religionen werden häufig als Konflikttreiber wahrgenommen, seltener als Friedensschaffer. Was ist am House of One besonders?

Das House of One verdeutlicht die Idee von friedlichem Zusammenleben und friedlicher Kooperation in unserer eigenen Welt. Es macht sichtbar, dass Religionen in vielerlei Hinsicht auch Friedensstifter sein können. Insofern ist das House of One ein Modellprojekt von interreligiösem Zusammenleben, in dem vor allen Dingen Respekt voreinander entwickelt und keine Gleichmacherei betrieben wird. Die Wurzeln jeder eigenständigen Religion werden genau betrachtet, um zu schauen, wie interreligiöses Zusammenwirken im Respekt vor dem Anderen möglich ist. Es ist diese inhaltliche Arbeit, die das House of One ausmacht.

 

Was genau macht das House of One nun für Ihre Arbeit so wertvoll?

Unsere Welt ist mehr und mehr von Konflikten geprägt. Als ich vor 25 Jahren in der Entwicklungshilfe angefangen habe, gab es vielleicht 12 bis 15 Staaten, bei denen wir von Fragilität gesprochen haben, also der Abwesenheit jeglicher Rechtsstaatlichkeit. Heute sind es 45. Die Zentralafrikanische Republik ist – wie die ganze Region, zu der auch die Demokratische Republik Kongo zählt - geprägt vom Zerfall staatlicher Strukturen nach der Kolonialzeit. In solchen Ländern sind Konzeptionen wie interreligiöse Kooperationen für uns besonders wichtig.

 

Warum?

Religion wird häufig zur Ausgrenzung benutzt und dazu, einer anderen Bevölkerungsgruppe den Zugang zu Ressourcen zu verwehren. Mit Modellen interreligiöser Kooperationen – da ist das House of One einfach vorbildlich – wollen wir lokale Initiativen, wie die interreligiöse Plattform in Bangui, unterstützen. Diese ist eine der wenigen Ordnungskräfte in der Region, die überhaupt Menschen zusammenbringen kann und die Verständigung über ethnische, religiöse und nationale Grenzen hinweg ermöglicht. Da ist es großartig, wenn wir ein „Maison de la Paix“, das dem Konzept desHouse of One folgt, unterstützen können.

 

Ein House of One, das im positiven Sinne auf Entwicklungen einwirken kann – könnte diese Aufgabe künftig eine stärkere Rolle spielen?

Ich glaube, dass die Bildungsprogramme des House of One im interreligiösen Spektrum, aber eben auch in der Friedenserziehung eine zentrale Rolle spielen. Das „Maison de la Paix“ hat eine starke Wirkung im Bereich Friedenserziehung. Das ist genau das, was die Kollegen von der interreligiösen Plattform sehr schätzen. Sie haben einen eigenen Strategieplan entwickelt, in dem ein Bereich ganz klar die internationale Zusammenarbeit im Bereich Friedenserziehung in Schulen und in Kindergärten ist. Das ist meiner Meinung nach der richtige Ansatz: Das House of One macht interreligiöse Führungen für Schulen und arbeitet in der Friedenserziehung. Davon kann die Konzeption im „Maison de la Paix“ erheblich profitieren.

 

Sehen Sie dasHouse of One bereits in weiteren gemeinsamen Projekten mit der GIZ?

Das Entscheidende ist jetzt, in der Plattform alle religiösen Akteure, die in der ZAR schon jetzt tätig sind, zu vernetzen und am sogenannten Runden Tisch ZAR gemeinsam die nächsten Schritte festzulegen.

 

Wer gehört zu dieser Runde?

Das sind zum Beispiel Misereor, Caritas, Missio, die Arbeitsgemeinschaft Entwicklungshilfe e.V. (AGEH), das Erzbistum Köln, das Forum Ziviler Friedensdienste e.V. (forumZFD. Da ist das House of One natürlich ein kleiner Partner. Es ist kein großes Hilfswerk wie etwa Misereor, es spielt eine andere Rolle.

 

Nämlich welche?

Um etwa gerade die inhaltliche Arbeit für das Maison de la Paix auch bei der interreligiösen Plattform einzubringen. Das halte ich für einen wichtigen strategischen Beratungsansatz, der ausgebaut werden muss. Jetzt wo der Frieden am seidenen Faden hängt, darf man die interreligiöse Plattform nicht allein lassen. Die Warlords sind längst nicht befriedet, die Friedensarbeit vor Ort ist nicht gefestigt. Wir brauchen eine erheblich bessere Kooperation aller Akteure, auch im internationalen Bereich. An dieser Stelle kommt die internationale Partnerschaftsorganisation "International Partnership on Religion and Sustainable Development" (PaRD) ins Spiel…

 

…in der auch das House of One Mitglied ist…

Genau. Wir hoffen, dass wir eine bessere Kooperation aller Mitglieder am Runden Tisch ZAR hinbekommen. Es geht darum, den Weg in eine friedliche Gesellschaft zu schaffen, in der die Menschen ohne Angst vor Tod und Hunger leben können. Das ist unser Ziel.