Freitag, 9. November 2018

Gedenken am 9. November

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80 Jahre nach dem Staatsterror und der gesellschaftlichen Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland gedenken wir den Opfern der Pogrome vom 9. November 1938. "Es geschah vor aller Augen, alle waren Täter", beschreibt unser Rabbiner Andreas Nachama die damalige Situation. "Der 9. November im 20. Jahrhundert ist ein Schicksalstag deutscher Geschichte, ein Lerntag. Wir erinnern dieser Vergangenheit, um nicht zurückzufallen, um für die Zukunft zu lernen." Die Zerstörung von Synagogen und die Plünderung von Geschäften waren die Vorboten der systematischen Morde an europäischen Juden. 

Aus Anlass des Jahrestages hat Rabbiner Nachama für den Abend des 9. Novembers Imam Kadir Sanci und Propst Christian Stäblein von der Evangelischen Kirche zum Schabbat Gottesdienst in seine Gemeinde Sukkat Schalom eingeladen. Rabbiner Jay Rosenbau, Präsident des North American Board of Rabbis, wird ebenfalls zugegen sein.

"Ich will mich erinnern! Ich möchte lernen!", sagt Imam Kadir Sanci, wie Nachama im Präsidium der Stiftung House of One. "Der 9. November ist für uns, die Bürger Deutschlands, ein Schicksalstag, der vor allem für das unbeschreibliche Leiden der jüdischen Mitbürger steht. Ich möchte das in meiner Macht Stehende tun, damit sich diese Leidensgeschichte nicht wiederholt, weder für Juden noch für irgendeinen anderen Menschen."

Dem Pflichtet Propst Stäblein mit den Worten bei: "Achtzig Jahre nachdem jüdische Gotteshäuser in diesem Land gebrannt haben, gehört es zu den wichtigsten Aufgaben, dass wir erinnern und nicht vergessen."

Am Tag zuvor waren nach einer Gedenkstunde im Berliner Abgeordnetenhaus und einem Schweigemarsch von der Gedenkstätte Topographie des Terrors hin zum Denkmkal der ermordeten Juden Europas, dem Holocaust Mahnmal, die Namen aller rund 57.000 jüdischen Berliner verlesen worden, die unter der NS-Herrschaft ermordet wurden. Der Regierende Bürgermeister, Michael Müller (SPD) sagte aus diesem Anlass: "Geschichte wiederholt sich nicht, aber wir haben allen Grund, aus ihr zu lernen." In Deutschland seien die Gleichheit aller Menschen, ihre Menschenrechte und ihre Menschenwürde Maßstab des Zusammenlebens. "Deshalb ist bei uns nicht nur kein Platz für Antisemitismus, sondern ebenso wenig für antichristliche oder antimuslimische Vorurteile und Feindbilder oder für homophobe und frauenfeindlice Einstellungen."