Donnerstag, 2. November 2017

Imam Osman Örs beim Abschlussgottesdienst des Reformationsjubiläums der EKBO

Osman Örs beim Gottesdienst zum Abschluss des Reformationsjubiläums
v.l.n.r. Bischof Markus Dröge, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, Osman Örs, Erzbischof Heiner Koch
Gottesdienst zum Abschluss des Reformationsjubiläums
Gottesdienst zum Abschluss des Reformationsjubiläums

Am diesjährigen Reformationstag, zum Abschluss des 500. Jubiläums der Reformation, feierte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) einen Gottesdienst in der St. Nikolaikirche in Spandau. Auch Osman Örs, Imam des House of One, war eingeladen, sich an dem von Bischof Markus Dröge geleiteten Gottesdienst zu beteiligen.

Vor Gästen aus Politik und Gesellschaft wie Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller, Erzbischof Heiner Koch und vielen anderen sprach Osman Örs über die Bedeutung der Reformation für ihn als Muslim.


Das gesamte Grußwort zum Nachlesen: 

Verehrter Bischof Dröge, verehrte Gäste,

Esselemu aleykum we rahmetullahi weberekatuh – ich grüße und wünsche Ihnen allen einen friedvollen, mit Gottes Barmherzigkeit erfüllten und segensreichen Tag,

Aus Anlass des Reformationsjubiläums haben wir uns heute hier eingefunden, wozu ich zunächst herzlichst gratuliere. Und es freut mich auch ein paar Worte sprechen zu dürfen.
Was Luther und die Reformation aus den Massen seiner Zeit besonders hervorhebt, ist sein Drang und Wunsch nach der Befreiung des Menschen aus den gegebenen Strukturen der Gesellschaft und Kirche seiner Zeit. Für ihn stand das Individuum und dessen Emanzipation an vorderster Stelle. Als Muslim lese ich dieses Bestreben als die Befreiung des Menschen von jeglichen Hindernissen, die zwischen ihm und seinem Schöpfer liegen. Der Mensch ist erst wirklich frei, wenn er sich von den weltlichen und seelischen Fesseln befreien kann, die ihn daran hindern, seinen Schöpfer zu erkennen und ein bewusstes sowie verantwortungsvolles Leben zu führen. 

Denn erst dieses innere Bestreben bringt das wahre Potential des Menschen hervor. Erst diese innere Auseinandersetzung lässt den Menschen auch sich selbst erkennen und Tugenden wie die Nächstenliebe, Verantwortung vor der Schöpfung oder Solidarität mit den Bedürftigen sprießen aus den Herzen jener Menschen. 

In diesem Sinne hat die Kirche – und Religion an sich – eine große Bedeutung in unserer Gesellschaft. Denn es ist die Kraft dieser Menschen, genährt durch die Wahrheiten und Tugenden ihres Glaubens, die sie dazu befähigen, große gesellschaftliche Laster gemeinsam zu bewältigen. Dies wurde uns allen insbesondere in Zeiten der Flucht nochmals bewusster. Eine gesunde Zivilgesellschaft kompensiert, was der Staat nicht mehr zu leisten vermag und hilft unsere gesellschaftliche Harmonie aufrecht zu erhalten, unseren Zusammenhalt zu stärken. 

All dies im Blick behaltend, wünsche ich mir für die Zukunft der Kirche, dass sie diese so wichtige Aufgabe in Verantwortung vor Gott und dem Menschen sorgsam weiter fortsetzt und dass sie - gestützt auf den Glauben – mit Herz und Mut stets jenen gesellschaftlichen Kräften, die eine Spaltung und Disharmonie unserer Gesellschaft anstreben, tapfer und tatkräftig entgegnet.