Mittwoch, 15. Mai 2019

Interreligiöses Fastenbrechen

Ramadan, Interreligiös, Iftar,

20.55 Uhr in Berlin. Mit dem Sonnenuntergang schwebt der Gebetsruf "Allahu akbar" über den Einfamilienhäusern in Britz. Ömer Icme, der stimmgewaltige Rufer, kündigt das bevorstehende Fastenbrechen an. Weit über hundert Menschen jeder Religion und Weltanschauung haben sich auf Einladung der Stiftung House of One in einem Garten in dem Neuköllner Wohnbezirk zusammengefunden. Zu den Gästen, die an diesem kühlen Abend unter Heizpilzen auf den Klappbänken nah aneinander rücken, zählen auch der Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich (CDU) sowie Staatssekretär Gerry Woop von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 

Der Ramadan und Iftar, das Fastenbrechen, gehören inzwischen selbstverständlich in die religiösen Festtagskalender in Deutschland, Einladungen an Nicht-Muslime zum gemeinsamem Essen ebenso.  "Das Fastenbrechen ist erst richtig schön, wenn man es mit vielen Menschen teilen darf", sagt Imam Osman Örs zur Begrüßung der Gäste. "Gott hat die Menschen in Verschiedenheit und Vielfalt geschaffen. In seinem Willen ist es auch, dass wir uns einander kennenlernen und wertschätzen." Solche Begegnungen, das Kennenlernen zu ermöglichen, zählt zu den zentralen Zielen des House of One.

 

Das ist auch in den Worten von Pfarrer Gregor Hohberg, Präsidiumsmitglied des House of One, zu spüren: "Als Christen fühlen wir uns mit den Muslimen in diesen Wochen - aber nicht nur - tief verbunden, denn auch im Christentum spielt das Fasten eine große Rolle. Es macht uns innerlich frei für die Verbindung zu Gott." Kantorin Esther Hirsch von der jüdischen Gemeinde Sukkat Schalom stimmt auf hebräisch den Gesang "Hine ma tov" an. Die Worte aus dem 133. Psalm bedeuten übersetzt: "Siehe, wie fein und lieblich ist es, wenn Schwestern und Brüder einträchtig beieinander wohnen."

 

Wie zur Bestätigung lässt der Nieselregen nach, bevor die Datteln zum Fastenbrechen gereicht werden. Angeregt unterhalten sich die Menschen an den Tischen, von denen sich viele zum ersten Mal begegnen: der Rabbinatsstudent und die Studentin aus Syrien, der erst vor kurzem aus der Türkei nach Berlin gekommene Familienvater und eine Frau aus der Neuköllner Nachbarschaft oder die evangelische Lehrerin und die muslimische Unternehmerin. Mit jedem Kennenlernen, jeder Begegnung mit Neugier, Respekt und Freude schwinden Vorurteile an diesem Abend, wächst ein Gemeinschaftsgefühl.

 

In diesem Sinne wünschen wir allen einen friedlichen und gesegneten Ramadan.