Samstag, 31. Oktober 2020

Mahnwache von Christen, Jesiden und Muslimen für Frieden in Berg-Karabach

Konflikt Fight Berg-Karabach Nagorno-Karabakh Tblisi Georgien Armenien Aserbeidschan Muslime Christen Jesiden

Der Konflikt um Berg-Karabach reicht bis in die Peace Cathedral in Tbilisi, die Kirche unseres Projektbotschafters Bischof Malkhaz Songulashvili. Von der georgischen Hauptstadt sind es keine 80 Kilometer bis zur armenischen Grenze. Die von Aserbaidschan ist noch etwas näher. Seit über einem Monat wüten die Kämpfe im Südkaukasus zwischen den beiden Ländern um die Region Berg-Karabach.

Erschüttert von den Auseinandersetzungen, die bislang rund tausend Menschen das Leben kosteten, hatte Bischof Malkhaz am 15. Oktober zu einem ersten multireligiösen Friedensgebet geladen. An diesem Samstag, 31. Oktober, treffen die Geistlichen wieder um 19 Uhr georgischer Zeit (16 Uhr MEZ) zusammen und wollen das beibehalten, bis die Waffen wieder ruhen.

Die Mahnwache wird aufgenommen und live gestreamt über die Facebook-Seite der Evangelical-Baptist Church of Georgia.

"Es bedurfte einiger Anstrengungen, um den aserbaidschanischen und armenischen Klerus davon zu überzeugen, dass wir zusammenkommen und unverzüglich beten sollten", sagte der evangelisch-baptistische Metropolit. "Doch als wir zusammenkamen, miteinander sprachen und gemeinsam für Frieden beteten, verflüchtigten sich die Spannungen." Am Ende des Gottesdienstes fiel es den Beteiligten fast schwer, wieder auseinanderzugehen.

Neben Bischof Malkhaz Songulashvili haben an dem ersten Treffen Pfarrer Narek Kushjan von der armenisch-apostolischen Kirche, der schiitische Scheich Mirtagi Asadov vom Obersten Rat der aserbaidschanischen Muslime in Georgien, der geistliche Führer der Jesiden in Georgien, Aktiar Pir Dimitry Pirbari, sowie weitere Religionsvertreter teilgenommen, die aserbaidschanische und armenische Gemeinden vertraten. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer beten während dieser Mahnwachen in ihrer jeweils eigenen Tradition und Sprache, sei es in Georgisch, Armenisch, Jesidisch oder Arabisch. Zudem wurden Texte aus dem Evangelium und dem Koran gelesen.

Diese Zusammenkünfte zeigen einmal mehr, welche vereinende Wirkung dieser Austausch mit sich bringen kann, eine Stimmung des Friedens und der Versöhnung entsteht. Der armenische und der aserbaidschanische Klerus äußerten sich angesichts dieser Erfahrung hoffnungsvoll, was die Aussicht auf eine friedliche Zukunft angeht. Gemeinsam verfassten die georgischen, armenischen, aserbaidschanischen und jesidischen Geistlichen aus den verschiedenen Religionen folgende Erklärung:

„Wir, die in der Peace Cathedral versammelten jesidischen, muslimischen und christlichen Geistlichen, verpflichten uns, jede Woche gemeinsam eine Mahnwache für Frieden und Versöhnung zwischen Armenien und Aserbaidschan zu halten, bis der Krieg vorbei ist."

Das House of One hat diese mutige Initiative von Bischof Malkhaz Songulashvili mit einem Friedensgebet begleitet und gewürdigt: