Freitag, 21. August 2020

Muharram - das islamische Neujahr

Mit dem Untergang der Sonne am 19. August 2020 hat für Musliminnen und Muslime weltweit das Neue Jahr begonnen. Sie haben das nicht mitbekommen? Das liegt daran, dass dieses Fest nicht wie Silvester mit Raketen und Countdown lautstark gefeiert wird. Das muslimische Neujahr ist ein besinnliches Fest, da mit dem Datum auch die Erinnerung an ein besonders tragisches Ereignis verbunden ist, der Ermordung eines Enkels des Propheten – aber dazu mehr später im Text.

Das neue Jahr im islamischen Kalender beginnt mit dem Monat Muharram. Die Zählung der Jahre richtet sich nicht nach dem Gregorianischen Kalender, sondern hat eine eigene Zeitrechnung, die sich nach dem Mond richtet. Die Zählung beginnt im Jahr als der Prophet mit seinen Getreuen von Mekka nach Medina auswanderte, die sogenannte Hidschra. Das war vor 1442 Jahren.

Der Muharram folgt dem Monat der Pilgerfahrt (Dhu l-Hiddscha) nach Mekka. In diesem Monat sollen die Pilger in Sicherheit und Frieden wieder in ihre Heimatländer zurückkehren können.

Der Monat Muharram ist einer der vier heiligen Monate des Islam (Koran 9:36). Er ist ein Schicksalsmonat, in dem sich der islamischen Tradition zufolge verheißungsvolle aber auch tragische Ereignisse gab.
So erinnern sich Musliminnen und Muslime an Moses und dem Sieg der Israeliten über den mit Gewalt herrschenden Pharao. In einer hoffnungslosen Situation gaben sie den Glauben und das Vertrauen an Gott nicht auf und wurden durch ein Wunder Gottes gerettet. Im Koran wird wie folgt darauf hingewiesen: “Darauf offenbarten Wir Moses: `Schlage das Meer mit deinem Stock.´ Und es teilte sich, und jeder Teil erhob sich wie ein gewaltiger Berg. Und Wir ließen alsdann die anderen nahe herankommen. Und Wir erretteten Moses und alle, die mit ihm waren. […]” (Koran 26:63-67)

 

Noah und der Pudding

 

Hinzu kommt die Erinnerung der Errettung Noahs und der Menschheit vor der Sintflut, denn es war in diesem heiligen Monat, als die Arche auf dem Berg Dschudi strandete. Noch heute wird aus diesem Anlass der sogenannte Noah-Pudding (Aschura) gekocht. Die Süßspeise aus vielfältigen Zutaten, zum Beispiel Kichererbsen, Bohnen, Nüsse, Rosinen oder Granatapfelkerne, wird traditionell an Nachbarn und Freunde verteilt. In der Sure al-Hud heißt es: “Und es wurde befohlen: `O Erde, verschlinge dein Wasser, o Himmel, höre auf (zu regnen)!´ Und das Wasser begann zu sinken, und die Angelegenheit war entschieden. Und das Schiff kam auf dem Dschudyy zur Rast. […]” (Koran 11:44)
Die Geschichten von Moses und Noah zeugen von der Barmherzigkeit Gottes. Sie sind Musliminnen und Muslimen Quelle der Zuversicht und Hoffnung in diesen Neujahrstagen.

Die Freude an diesen Tagen aber trübt ein tragisches Ereignis. Am 10. Muharram wurde Hussein, ein Enkel des Propheten getötet. Zusammen mit dem jungen Mann wurden seine Familie und einige Anhänger von den Männern des Gewaltherrschers Yazid in der Wüste nahe der irakischen Stadt Kerbela grausam hingerichtet.

Diese Trauer teilen Muslime weltweit. In der schiitischen und alewitischen Tradition wird diesem Ereignis durch ein zwölf Tage langes Trauer-Fasten besondere Beachtung und Erinnerung geschenkt. Die Sunniten teilen die Trauer ebenfalls und fasten am 9. und 10. Tag des Muharram.

In diesem Sinne wünschen wir allen Muslimen ein gesegnetes und besinnliches Neujahr. Möge es uns allen mehr Versöhnung, Zusammenhalt und Frieden schenken.