Gitarama
Ruanda

Gemeinsames Sakralgebäude für Muslime und Christen entsteht in ruandischem Gefängnis

„Gott leidet, wenn ein Mensch leidet. Er leidet auch, wenn ein Verbrecher gehängt wird“. In den zwei Sätzen des Rabbiners und Religionsphilosophen Abraham Heschel (1907-1972) geht es nicht nur um göttliches Mit-Leiden, es geht auch darum, dass der Verbrecher mehr ist als die Summe seiner Taten und er trotz seiner Taten eine Person ist, des Mitleidens würdig.
Was aber, wenn solche „bemitleidenswerten“ Menschen, die Verbrechen begangen haben, sogar zu einem Modellfall werden, wie ein friedliches Miteinander Gestalt gewinnen könnte? Verschieben sich dann nicht die gängigen und verfestigten Zuordnungen von „gut“ und „böse“ und provozieren einen neuen und genaueren Blick?

Solches geschieht in Ruanda, wo im Gitarama-Gefängnis für Völkermord-Verbrecher auch etwas Neues entsteht: eine „Kirchenmoschee“ für die 3000 Menschen, die nach dem Völkermord 1994 verurteilt und inhaftiert wurden und für die es bislang weder eine Kirche noch eine Moschee in dem Gefängnisareal gab, um Besinnung, Vergebung, Trost und Hoffnung zu finden. 

Dank der Initiative der Menschenrechtlerin Eugenie Musayidire und der Unterstützung des Vereins Grünhelme e. V., deren Ehrenvorsitzender Rupert Neudeck ist, entsteht nun beides unter einem Dach: eine „Kirchenmoschee“ als Ort der Spiritualität und eines friedvollen Zusammenlebens von Christen und Muslimen. Das, was außerhalb des Gefängnisses kaum denkbar ist und erst langsam wachsen muss, beginnt hier im Gefängnis und könnte zu einem Modell für einen friedlichen Umgang der Religionen in Ruanda werden.

Gregor Hohberg und Roland Stolte vom House of One trafen im Dezember 2014in Berlin Till Gröner, den Geschäftsführer der Grünhelme e. V., um Genaueres über das Projekt in Ruanda zu erfahren und sich über Kooperationsmöglichkeiten auszutauschen. Gibt es also zum Beispiel sinnvolle Wege, um dem Team der „Grünhelm-Architekten“ aus England, Deutschland, Österreich, Italien mit einem „Berliner Beitrag“ zur Ausstattung des Gebäudes zu assistieren? Und wäre es nicht eine schöne Würdigung der Bemühungen in Ruanda und im Gitarama-Gefängnis, wenn die Geistlichen des House of One an der Einweihung der Kirchenmoschee im Sommer 2015 teilnähmen, ihre Verbundenheit mit diesem wunderbaren und anregenden interreligiösen Projekt bekundend? 

Verheißungsvolle Perspektiven für eine zukünftige Zusammenarbeit tun sich hier auf, die in den kommenden Monaten alle Mühen wert sein werden – und insofern gilt: Fortsetzung folgt…

Roland Stolte

 

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