Mittwoch, 23. September 2020

Dialog an einem Ort, wo kaum mehr gesprochen wird

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House of One eröffnet Ausstellung von Architekturentwürfen für ein Mehrreligionenhaus in der von Krieg geplagten Zentralafrikanischen Republik.

Frauen und Männer, ob katholisch, muslimisch oder protestantisch, haben sich in der seit vielen Jahren von Krieg und Terror zerrissenen Zentralafrikanischen Republik über alle kulturellen und religiösen Gräben hinweg zusammengetan, um gemeinsam ein Haus des Friedens und der Religionen zu errichten. „Das sind Helden“, sagte Imam Kadir Sanci vom House of One anlässlich der Ausstellungseröffnung von Architekturentwürfen für ein Mehrreligionenhaus in Bangui, der Hauptstadt des Landes, am Mittwoch (23. September). „Sie treiben den Dialog an einem Ort voran, an dem das miteinander Sprechen mitunter sehr schwierig ist und immer wieder auf Waffen zurückgegriffen wird.“ Die Entwurfsarbeiten werden in der Parochialkirche in Berlin-Mitte bis zum 6. Oktober täglich von 11 bis 19 Uhr zu sehen sein.

Wie bereits Juden, Christen und Muslime im House of One in Deutschland, versuchen die Christen und Muslime in Zentralafrika, als Friedensakteure die Entwicklungen in ihrer Gesellschaft positiv zu beeinflussen. „Man kann es den Versuch nennen, himmli-schen Frieden auf Erden zu implementieren“, sagte Rabbiner Andreas Nachama vom House of One am Mittwoch in der Parochialkirche. „Wir haben eine Chance, mit den biblischen Konzepten, wie wir sie auch am House of One versuchen zu praktizieren, Frieden zu erreichen.“

Roland Stolte, Verwaltungsdirektor der Stiftung House of One, ergänzte: „Im Prozess des gemeinsamen Bauens in Berlin sind aus Partnern Kollegen und aus Kollegen Freunde geworden.“ Das sei eine besondere, besonders intensive Form des interreligiösen Dialogs. Kooperationen im Sinne des House of One bedeuteten überdies, solche interreligiösen Prozesse auch woanders zu initiieren beziehungsweise zu begleiten. Oder wie es der Architekt Johannes Kuehn von der Bauhaus-Universität Weimar formulierte: „Es entsteht ein Raum zur Verständigung, in dem es neben den Religionen explizit um Frieden geht.“

Begleitet vom House of One, Kooperationspartner der interreligiösen Friedensplattform PCRC in dem afrikanischen Land, haben sich die Bauhaus-Universität Weimar und die Hochschule EAMAU in Lomé/Togo zusammengetan und ein gemeinsames Entwurfsseminar zum Thema ins Leben gerufen. Über mehrere Monate hatten sich Architekturstudierende in Afrika und Europa mit der komplexen und äußerst komplizierten Thematik auseinandergesetzt. Die im Rahmen dieser Kooperation erstellten Architekturentwürfe werden in Berlin in der Parochialkirche erstmals öffentlich ausgestellt. Die Entwürfe sind die Grundlage für den nächsten Schritt im kommenden Jahr, die afrikaweite Ausschreibung eines Architekturwettbewerbs.

Ein Symbol der Hoffnung – das ist der Anspruch des visionären Projekts „Haus des Friedens und der Religionen“. Wie in Berlin mit dem House of One, soll auch das multireligiöse Gebäude in Bangui in einer eigenständigen, lokal geprägten Formen-sprache entstehen. Die Entwürfe der Studierenden zeigen Projektionen eines Hauses, in dem Menschen gemeinschaftlich einen Weg in ein friedliches Zentralafrika beschreiten.

Die Geistlichen der interreligiösen Plattform PCRC in Bangui, darunter Dieudonné Kardinal Nzapalainga und Imam Layama Kobine, sind für ihr mutiges und selbstloses Engagement 2015 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet worden.

 

 

Bilder der Ausstellung finden Sie auf unserer Website unter https://house-of-one.org/de/presse


Wenn Sie weitere Informationen benötigen, wenden Sie sich bitte an unsere Pressesprecherin Kerstin Krupp telefonisch unter (030) 21 30018-50 oder per Mail unter press@house-of-one.org.

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