Die Rückkehr des Gottesnamen Jahwe

Der hebräische Gottesname kehrt nach über 80 Jahren an die Kichenwand zurück

In Zeiten wachsenden Antisemitismus setzt die Berliner Gemeinde St. Petri-St. Marien gemeinsam mit Rabbiner Andreas Nachama (House of One) ein Zeichen der Mahnung und Versöhnung. Mit einem interreligiösen Friedensgebet wird nach über 80 Jahren eine Replik des einstigen Tetragramms (der hebräische Gottesname JHWH) an die Parochialkirche angebracht.

Es war Antisemitsmus, der den Gemeindekirchenrat der Parochialkirche am 22. Februar 1939 dazu veranlasste, das Tetragramm über dem Portal der Kirche zu entfernen. Fast auf den Tag genau 81 Jahre später kehrt eine originalgetreue vergoldete Mettallrekonstruktion an den ursprünglichen Ort, hoch über dem Portal der Parochialkirche in der Berliner Mitte zurück.

 

„Der Beschluss zur Entfernung kam mitten aus der Gemeinde und wiegt daher umso schwerer. Menschen- und gottesverachtendes Gedankengut breitete sich schleichend auch in unserer Gemeinde aus und führte zu den bekannten Folgen, von denen die Entfernung des Tetragramms nur eine der sichtbaren war", sagt Pfarrerin Corinna Zisselsberger.

 

Das Tetragramm über dem Portall der Parochialkirche: Vier hebräische Schriftzeichen standen an dieser Stelle, von rechts nach links gelesen: Jod, He, Waw, He. Der Name JHWH kommt über 6.800 Mal in der Hebräischen Bibel, dem Ersten Testament vor. Aus Ehrfurcht, um den Namen Gottes nicht zu missbrauchen (Exodus 20,7), wird das Tetragramm nicht gelesen und ausgesprochen, sondern umschrieben. „Ha-Schem“: Der Name. „Adonaj“: HERR, wie Luther übersetzt. „Ha-Quadosch“: Der Heilige.

 

Das Tetragramm war fast 240 Jahre lang sichtbares Zeichen der Verwurzelung des Christentums im Judentum – so lange prägte die hebräische Inschrift des Gottesnamens das Portal der Parochialkirche in der Berliner Klosterstraße. Im Tympanon, dem dreieckigen Giebelfeld des von Säulen umgebenen Hauptportals, prangte das Tetragramm, aus Sandstein geformt, inmitten der Strahlen und zeigte damit das Bekenntnis zum Gott des Volkes Israel.

 

Wenige Wochen nach den Novemberpogromen entschied der Gemeindekirchenrat der Parochialkirche Anfang 1939, diese Inschrift in „eine zeitgemäße und künstlerisch angemessene Form“ zu bringen. Er ließ sie entfernen. Das konnte nicht überraschen. Schon seit 1933 hatte die Parochialgemeinde, wie es in ihrem Gemeindeblatt 1937 heißt, „ihre gesamte Arbeit in den Gedanken und in den Dienst am Führer gestellt.“

 

Die Kosten für die Rekonstruktion des Tetragramms in Höhe von 8.000 Euro übernahm die treuhänderische Stiftung Kirchliches Kulturerbe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) durch den Gernot-Mentrop-Fonds.

 

Ablauf:

12.00 Uhr:  Friedensgebet in der Parochialkirche mit Pfarrerin Corinna Zisselsberger und Rabbiner Dr. Andreas Nachama, Gesang: Kantorin Marie-Louise Schneider und Kantorin Esther Hirsch,

anschließend Montage des letzten Buchstabens des Tetragramms an der Parochialkirche

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