Religionen bauen für den Frieden

"Maison de la Paix et des Religions" Bangui, CAR ZAR Zentralafrikanische Republik Republique Centrafricaine
"Maison de la Paix et des Religions" Bangui, CAR ZAR Zentralafrikanische Republik Republique Centrafricaine
"Maison de la Paix et des Religions" Bangui, CAR ZAR Zentralafrikanische Republik Republique Centrafricaine
"Maison de la Paix et des Religions" - eine gebaute Friedensvision für Zentralafrika

Architekturausstellung in Berlin: In Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, soll ein "Haus des Friedens und der Religionen" entstehen - ein visionäres Projekt für ein vom Krieg zerrissenes Land. Studierende der Architekturfakultäten in Lomé/Togo und Weimar/Deutschland haben sich dem komplexen und komplizierten Thema gewidmet. Ihre Arbeiten werden erstmals in einer gemeinsamen Schau in Berlin gezeigt.

 

Die Ausstellung ist vom 24. September bis 6. Oktober 2020 täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

Parochialkirche
Klosterstraße 67
10179 Berlin
Deutschland

Ein Haus des Friedens und der Religionen soll in Bangui entstehen. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von Frauen und Männern, ob katholisch, muslimisch oder protestantisch, und ein Symbol der Hoffnung in einem seit Jahrzehnten von Gewalt zerrissenen Land. Über alle kulturellen, sozialen oder religiösen Gräben hinweg haben sich Menschen in der interreligiösen Plattform PCRC zusammengetan, um die Entwicklung in ihrem Land zum positiven zu wenden.

 

In Kooperation mit der Stiftung House of One, dem Lehrstuhl Entwerfen und Baukonstruktion der Bauhaus-Universität Weimar unter Leitung des Architekten Johannes Kuehn, der École Africaine des Metiers de l‘Architecture et de l’Urbanisme in Lomé, Togo, unter der Leitung von Architekt Komlan Dela Gake sowie dem projektverantwortlichen Architekten aus Bangui, Gabriel Ngouamidou vom Architekturbüro „ArtCad-Conception“, wurde im März 2019 in einem gemeinsamen Workshop in Berlin ein erstes Raumprogramm erarbeitet.

 

Bei diesem Treffen entstand auch das folgende Video mit den Architekten Komlan Dela Gake (EAMAU), Johannes Kuehn (Bauhaus-Universität Weimar) und Gabriel Ngouamidou (ArtCad-Conception Bangui) sowie Roland Stolte (House of One):

 

 

 

 

Eine absurde Idee! Das ist oft die erste Reaktion auf das Bauprojekt. Ausgerechnet in diesem Land, in der Zentralafrikanischen Republik, dem „Mülleimer der Welt“, wie es Kardinal Dieudonné Nzapalainga, Projektbotschafter des House of One in Bangui, bei seinem Besuch 2019 in Berlin selbst sagte. Ausgerechnet in einem der ärmsten Länder, wo es an allem fehlt, an Infrastruktur, an Krankenhäusern und Schulen, wo immer wieder Gewalt aufflammt und deshalb das Auswärtige Amt vor Reisen warnt. Ausgerechnet in diesem Land wollen die geistlichen Führer des Landes, organisiert der Interreligiösen Plattform PCRC, die Idee eines gemeinsamen Sakralbaus der Religionen aufgreifen. Wie in Berlin, entsteht auch in Bangui, der Hauptstadt des Landes, ein multireligiöses Gebäude in einer eigenständigen, lokal geprägten Formensprache - in Kooperation mit der Berliner Stiftung House of One.

 

Was soll man davon halten? Wäre nicht jeder Franc für die Errichtung etwa eines Krankenhauses besser investiertes Geld? Die Frage ist berechtigt. Und es ist gut, wenn sie  jeden Schritt der Realisierung des neuen Sakralgebäudes begleitet; als Grundton einer fortwährenden Befragung und Mahnung, die gesellschaftliche Wirklichkeit nie aus dem Auge zu verlieren.


Es geht dabei nicht nur um eine Befragung lokaler, politisch-gesellschaftlicher Konstellationen, sei es in Bangui oder auch in Berlin. Mit der Grundidee des Hauses des Friedens und der Religionen, aber auch mit der baulichen Errichtung des House of One in Berlin, rücken grundsätzliche Fragen in den Blick. Diese betreffen die Rolle der Religionen in unseren Gesellschaften. In ihrer Grundsätzlichkeit führen sie gleichermaßen in das Herz der Projekte in Bangui und Berlin.


Die Religionen werden in unserer Gegenwart vordergründig als Konflikttreiber wahrgenommen, die einander ideologisch bekämpfen oder von Dritten so instrumentalisiert werden. Gerade den Religionen selbst ist es aufgegeben, angesichts dessen Gegenentwürfe zu schaffen, die die Friedenspotentiale der Religionen sichtbar machen und wirksam werden lassen. Im internationalen Kontext ist das Bewusstsein für dieses Potential der Religionen in den vergangenen Jahren gewachsen.


Diese Friedensarbeit kann ganz unterschiedlich auftreten. Religionen können punktuell in der Bearbeitung oder Prävention von Konflikten aktiv werden. Sie können auch Akteure der Friedensdiplomatie sein, wie es die zentralafrikanischen Religionsführer in den vergangenen Jahren gezeigt haben.

 

Einen anderen, weniger offensichtlichen Weg beschreiten das House of One in Berlin und das Haus des Friedens und der Religionen in Bangui. In beiden Fällen entwickelt sich nun aus dieser religiösen Friedensarbeit die Methodik des „Friedens im gemeinsamen Bauen“. Gemeinsam, miteinander, füreinander etwas Schaffen. Oder wie es der frühre UN-Generalsekretär Kofi Annan einmal in Worte fasste:

„Es gibt keinen besseren Weg, [den Frieden] zu erreichen, als gemeinsam etwas über Grenzen hinweg zu bauen. Dann steht für uns alle etwas auf dem Spiel, was wir gemeinsam beschützen und fördern müssen."

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Veranstaltungen

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Donnerstag, 14. Mai 2020 - 14:00 bis 14:15

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Freitag, 21. Februar 2020 - 12:00

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Sonntag, 22. März 2020 - 12:00 bis 13:00

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!!! Fällt wegen der Corona-Pandemie leider aus!!! Der Lebensphilosoph Wilhelm Schmid, der Aktionskünstler des Zentrums für Politische Schönheit, Philipp Ruch und die drei Geistlichen des House of One, Rabbiner Dr. Andreas Nachama, Pfarrer Gregor Hohberg und Imam Osman Örs, im Gespräch über Lessings Nathan der Weise und das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Weltanschauung.