01/23/2015

Zur Diskussion über das House of One und die Gülen-Bewegung

Roland Stolte © Klemens Renner
Roland Stolte
Director of Concept

Als wir von der Evangelischen Kirchengemeinde St.Petri-St.Marien 2010 einen muslimischen Projektpartner suchten, führten wir (nach Vorsondierungen mit Wissenschaftlern der Humboldt-Universität, die das islamische Gemeindeleben in der Stadt untersucht hatten) eine Vielzahl von Gesprächen mit verschiedenen Moscheevereinen und Dachverbänden, um „passgenau“ den Partner zu finden, der den bevorstehenden sehr komplexen und öffentlichkeitswirksamen Planungs- und (späteren) Nutzungsprozess mitzutragen bereit und in der Lage ist. Es war uns sehr wichtig, einen Partner zu finden, der eine große Offenheit gegenüber weiteren muslimischen Partnern ebenso wie den anderen Religionen einzulösen sich verpflichtet.

Zu dieser Offenheit war das Forum für Interkulturellen Dialog e.V., dessen Ehrenvorsitzender Fetullah Gülen ist, - wie in diesem Maße kein anderer Gesprächspartner aus der muslimischen Community - bereit. Hinzu kam, dass das FID in der interreligiösen und interkulturellen Arbeit langjährige Erfahrungen (u. a. auf Kirchentagen etc.) besitzt.

Die am House of One beteiligten Partner haben sich im Zuge der Vereinsgründung in einer Charta rechtsverbindlich auf gemeinsame Werte wie Wahrhaftigkeit, Offenheit, Gleichberechtigung und Solidarität geeinigt. Diese Charta räumt auch die Möglichkeit ein, Verstöße gegen diese Werte ggf. zu ahnden. (Sie finden den Wortlaut dieser Charta im Download-Bereich dieser Website.) Und seitdem ist das FID uns ein verlässlicher und kundiger Partner.

Um darüber hinaus politisch nicht „blauäugig“ zu agieren, hat auf unsere Bitte hin das Bundesinnenministerium einen Mitarbeiter der Islamkonferenz in unser Vereinskuratorium entsandt, der uns kontinuierlich über Anfragen und Fragestellungen aus dem islamischen Bereich, auch hinsichtlich der Gülenbewegung, berät und über etwaige Hinweise des Verfassungsschutzes etc. informiert. Hier gibt es also so etwas wie ein „Frühwarnsystem“.

Solche Hinweise im Hinblick auf das Forum für Interkulturellen Dialog liegen jedoch nicht vor. Auf dem gleichen Kenntnisstand befinden sich auch die entsprechenden Einrichtungen des Landes Berlin (z.B. der Religionsbeauftragte der Senatskanzlei oder die Senatsverwaltung für Inneres).

Genauere Information zur Gülenbewegung findet man in einer Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik: Günter Seufert, „Überdehnt sich die Bewegung von Fethullah Gülen? Eine türkische Religionsgemeinde als nationaler und internationaler Akteur“, 2013. Die Pointe dieser Studie zielt darauf, transparente und demokratisch strukturierte Kooperationsweisen mit den Akteuren der Gülenbewegung zu suchen. Beim House of One ist genau das gegeben – und dementsprechend gilt: „Es wäre abwegig, dem Teil der Muslime in Deutschland, die – und sei es aus religiöser Motivation - Integrationsarbeit betreiben und selbst auf den gesellschaftlichen Aufstieg in Deutschland orientiert sind, die Zusammenarbeit zu verweigern.“ (Seufert, S. 30)

Weiterführende Informationen zu Gülens Denken und dessen Entwicklungen liefern u.a. folgende Publikationen: das Buch „Was ich denke, was ich glaube“ von Fetullah Gülen, erschienen im Herder-Verlag, ein Beitrag in der FAZ von 2012, ein Interview mit Gülen von Dezember 2014 in der Süddeutschen Zeitung sowie die beiden ersten Ausgaben der Zeitschrift der Stiftung Dialog und Bildung, die sich um Aufklärung über das Wesen der Hizmet-Bewegung im deutschsprachigen Raum bemüht.