Dienstag, 21. Januar 2020

Stein um Stein zum House of One

Das House of One nimmt Form an. Eine sandfarbene Backsteinmauer am Rande des Petriplatzes in Berlin, wo das Mehrreligionenhaus gebaut wird, gibt einen sinnlichen Eindruck, wie das künftige Gebäude aussehen wird. Wie diese Musterfassade werden Synagoge, Kirche und Moschee um einen zentralen Begnungsraum aus dem hellen Ziegel gemauert werden. "Es wird ein Bauwerk, dass Menschen miteinander verbindet", sagte Rabbiner und Stiftungsratsvorsitzender Andreas Nachama zu den Gästen und Journalisten, die an dem strahlenden Wintertag zur Präsentation des Mauerwerks und der angeschlossenen OpenAir-Ausstellung zur Baustelle gekommen waren.

 

Haus der religiösen Vielfalt

 

Der Rabbiner sprach ein kurzes Gebet, wie auch Pfarrer Gregor Hohberg und Imam Osman Örs, ebenfalls Geistliche des House of One. Heinz Jackelen, Pfarrer der Kirche von Schweden und Unterstützer des House of One-Partnerprojekts Guds Hus in Stockholm, schloss als Gast die religiöse Zeremonie mit einem Segen auf Schwedisch ab. Die lutherische Erzbischöfin von Uppsala, Antje Jackelen, ließ Grüße und ihre Verbundenheit mit dem House of One ausrichten.

 

"Das ist eine Baustelle in Berlin, die wirklich erfolgreich läuft", freute sich Staatssekretär Gerry Woop von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa. "Das House of One ist ein Projekt, das wir politisch für wichtig erachten in seiner Vielfalt, die auch die Vielfalt Berlins widerspiegelt." Und Manfred Kühne, Abteilungsleiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, hob die Hartnäckigkeit der Initiatoren des House of One hervor, deren Unbeirrbarkeit dieses besondere Friedensprojekt der Religionen ermöglicht haben.

 

Das House of One ist aber nicht nur als Begegnungsort der Religionen besonders, es ist auch baulich außergewöhnlich. Der Sakralbau wird von Grund auf mit Backsteinen gemauert werden, auf einen Betonkern wird verzichtet. Rund 2,3 Millionen Ziegel müssen für das 46 Meter hohe Bauwerk gebrannt werden.  "Wir wollen ein Haus bauen mit einer Funktion, die auch noch in ferner Zukunft Gültigkeit haben soll", sagte Architekt Johannes Kuehn von dem Büro Kuehn Malvezzi. Gesucht war also ein Baustoff der viele Jahrzehnte überdauert. Der Ziegel liegt nahe. Bereits vor Jahrhunderten wurden Synagogen, Kirchen oder Moscheen aus gebrannter Erde errichtet. In Berlin und Brandenburg nachweislich seit dem 13. Jahrundert. Viele dieser Bauten stehen noch heute. Das House of One verbindet diese Bautradition mit moderner Ästhetik.

 

Nachhaltiger Baustoff

 

Auch im Sinne der Nachhaltigkeit  ist Ziegel ein besonderer Baustoff. Nicht nur dass die Steine sehr langlebig sind, die fast einen Meter tiefen Wände halten ein nahezu konstantes Raumklima. "Die Haustechnik kann so auf ein Minimum begrenzt werden", sagte Architekt Kuehn. 

Um die künftige Wirkung des House of One im Stadtraum vorab erfahren zu können, hat die Stiftung die Musterfassade auf der Baustelle am Berliner Petriplatz errichten lassen. Es ist eine Art Labor, an dem Ästhetik, Farbe, Wetterbeständigkeit, Fugenvarianten des traditionellen Baumaterials beobachtet werden können.

Maurermeister Kevin Schulz, der auch die deutsche Maurer-Nationalmannschaft trainiert, freute sich, dass mit dem House of One das traditionelle Handwerk Wertschätzung erfährt. "Dieser Bau ist außergewöhnlich, so etwas findet man heute kaum noch", sagte Schulz.

 

Ausstellung über Friedensprojekt

 

Mit der Präsentation der Musterfassade hat die Stiftung auch die Ausstellung "House of One - ein Friedensprojekt der Religionen" eröffnet. Auf dem Bauzaun rund um die Musterfassade erfährt der Betrachter von den Anfängen der Idee, der Entstehung sowie der aktuellen Dialogarbeit der Stiftung und dem Engagement gegen Antisemitismus oder Islamfeindlichkeit. Die vielen Facetten des Engagements von Juden, Christen und Muslimen im House of One wird so erfahrbar.