Mittwoch, 15. Juni 2016

Zum Tod von Rupert Neudeck

Ende Mai 2016 verstarb Rupert Neudeck im Alter von 77 Jahren. Bis zuletzt hatte er sich unermüdlich weltweit für Menschen in Not eingesetzt. Wegen seines unbeirrten Dienstes für die Menschlichkeit nannte man ihn einen „Extremist in Sachen Nächstenliebe“. Wir trauern mit seinen Angehörigen.

Neudecks Lebensweg war kein gewöhnlicher. Sein Jura- und Theologiestudium brach er nach wenigen Semestern ab, um eine zeitlang dem katholischen Jesuitenorden beizutreten. Das anschließend wieder aufgenommene Studium beendete er mit einer Promotion über die Ethik bei Jean-Paul Sartre und Albert Camus. Es folgte eine Karriere in der Presse. Die Berufserfahrungen als Journalist ließen Neudeck zwar die Nöte dieser Welt besser verstehen, jedoch hielt es ihn nicht lange in der Beobachterperspektive. Neudeck wurde zum Helfer, stets unter der Maxime „Menschlichkeit ohne Kompromisse“.

1979 rettete er mit der Initiative Ein Schiff für Vietnam knapp 11.000 Vietnamesische Flüchtlinge aus dem Südchinesischen Meer und half ihnen in Deutschland neu Fuß zu fassen. Die Initiative wurde später zum Verein Cap Anamur / Deutsche Not-Ärzte e.V. und leistet humanitäre Hilfe auf nahezu allen Kontinenten.

Auch der Dialog zwischen Muslimen und Christen war Rupert wichtig. Aus diesem Anliegen entstand 2003 der Verein Grünhelme e.V.
Die Grünhelme leben den Dialog ganz praktisch: Junge christliche und junge muslimische Deutsche schaffen als sogenanntes „Peace-Corps“, als „Friedenstruppen“, gemeinsam Infrastruktur und neuen Lebensraum in den Krisengebieten dieser Welt. Durch den Bau von Häusern und Dörfern, Schulen und Straßen, Hospitälern und Ambulanzen, Baumschulen und Gotteshäusern fördern sie den Frieden in Regionen, die von Unfrieden gezeichnet sind.

In besonderer Verbundenheit steht das House of One mit dem Projekt der Grünhelme in Ruanda. Dort entsteht derzeit im Gefängnis von Gitarama das Versöhnungszentrum „Amahoro“. Ein Multifunktionsgebäude für die Gefangenen, das zum einen als Werkstatt und zum anderen als Gebetshaus von allen im Gefängnis vertretenden Religionsgruppen (Katholiken, Muslime, Protestanten, Adventisten und Pfingstkirchler) genutzt werden wird. Die Kirchen-Moschee ist in dieser Form weltweit einmalig und soll den Gefangenen im kräftezehrenden Gefängnisalltag zu einem Raum des gelebten Glaubens, der Hoffnung und des Miteinanders werden. Unsere Architekten des Büros Kuehn Malvezzi beteiligen sich an dem Bau, indem sie die Eingangstür und das Mobiliar entwarfen. Zeitnah wird das Versöhnungszentrum gemeinsam mit den Geistlichen unseres Hauses eingeweiht werden.

Frieden und Verständigung sind vielerorts dank Neudecks Pionierarbeit ermöglicht worden. Dieses Erbe möchten wir in dankbarer Erinnerung an seine Person am Leben halten und bekannt machen.