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Donnerstag, 3. Sept. 2026

Mendelssohn-Preis für Rabbiner Nachama

Staatssekretär Alexander Straßmeir überreicht Rabbiner Andreas Nachama die Preisurkunde des Moses Mendelssohn-Preises 2026
Rabbiner Nachama bedankt sich mit einer Rede für den Moses Mendelssohn-Preis 2026
Imam Kadir Sanci, der die Laudation hielt für Rabbiner Nachama, und der Rabbiner drücken sich herzlich die Hände.

Andreas Nachama, Rabbiner im House of One und Gründungsmitglied der Stiftung, ist mit dem Moses-Mendelssohn-Preis des Landes Berlin 2026 ausgezeichnet worden. Der Preis würdigt sein langjähriges Engagement für Toleranz, Verständigung und den Dialog zwischen Religionen und Völkern.

Die Laudatio hielt Imam Kadir Sanci, mit dem Nachama seit vielen Jahren gemeinsam im House of One wirkt. Sanci beschrieb die gemeinsame Arbeit mit Rabbiner Nachama, Pfarrerin Marion Gardei und dem gesamten multireligiösen Team der Stiftung als eine, in der "aus Gesprächspartnern Kollegen, aus Kollegen Freunde, aus Freunden Geschwister" wurden. Über die Jahre konnten Freundschaft und Vertrauen wachsen. 

 

Imam hält Laudatio auf Rabbiner

"Vor zwanzig Jahren wäre es unwahrscheinlich gewesen, dass ein Imam bei einer Preisverleihung auf einen Rabbiner die Laudatio hält. Dass es heute möglich ist, ist Dein Verdienst", sagte Sanci im vollbesetzten Saal der Mendelssohn Remise. Nicht alle Gäste hatten einen Platz gefunden. Im Hof waren daher weitere Bänke um einen Bildschirm aufgestellt, auf dem die Live-Übertragung gezeigt wurde. 

Auf die häufig geäußerte Sorge, die drei Religionen würden im House of One vermischt, habe Nachama stets klar geantwortet: "Wir werden ganz sicher keine Esperanto-Religion schaffen. Wir sind einfach beieinander, jeder in seiner Tradition." Auch als ein Journalist fragte, wie oft sich die drei eigentlich stritten, fragte Nachama seine Kollegen: "Haben wir uns schon richtig gestritten? Ich glaube nicht. Der Punkt ist, wir streiten nicht miteinander, sondern gegen andere."

 

Bruch nach dem 7. Oktober

Dieser Austausch verändere einen, sagte Nachama einmal. Der Austausch verändere auch den Blick auf die anderen, wenn man über so lange Zeit eine Aufgabe miteinander verfolge.

Nach dem 7. Oktober 2023, als sich viele aus dem jüdisch-muslimischen Dialog zurückzogen, hielten Nachama, Sanci und Gardei an ihrem gemeinsamen Weg fest. Nachama habe öffentlich gemahnt: "Wir trauern mit ALLEN Opfern. Wir müssen versuchen, aus der Spirale der Gewalt herauszukommen." Zugleich habe er das Geschehene nicht verharmlost, sondern vom "Bruch" gesprochen, den zu überwinden es sicher Jahre brauche. .

Sanci schloss seine Laudatio mit den Worten: "Ich möchte Dich zu einem Friedenshelden unserer Zeit erklären. Das hast Du verdient." 

Die gesamte Laudatio finden Sie hier: Klick ! 

 

Würdigung durch Berliner Senat

Alexander Straßmeir, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, würdigte die Entscheidung der Jury: Berlin ehre mit Andreas Nachama einen Menschen, der sich langjährig und unermüdlich in zahlreichen Ehrenämtern für die Verständigung zwischen Menschen und für das jüdische Leben in Deutschland engagiert habe.

 

Leben zwischen Erinnerung und Aufbau

Andreas Nachama wurde 1951 in West-Berlin als Sohn von Holocaust-Überlebenden geboren. Sein Vater Estrongo, bekannt als "Der Sänger von Auschwitz", war nach dem Krieg Oberkantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Von 1994 bis 2019 leitete Andreas Nachama die Stiftung Topografie des Terrors, seit 2023 führt er das Abraham Geiger Kolleg, die Ausbildungsstätte für Rabbinerinnen, Rabbiner und Kantorinnen. Zum House of One kam der jüdische Geistliche 2015 als Nachfolger von Rabbiner Tovia BenChorin und gründete 2016 die Stiftung mit. 

Er war Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, zugleich Mitglied des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland und Governor der World Union for Progressive Judaism. Nachama leitete nebenamtlich die Jüdischen Kulturtage in Berlin künstlerisch, war Gründungsdekan des Touro College Berlin/New Vork und Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz. Die Liste war immer lang und ist es bis heute geblieben. 

Oder in den Worten von Imam Sanci: "Ein Mann, der längst in Ruhestand sein könnte, übernimmt die Verantwortung für die Zukunft."

 

Moses Mendelssohn-Preis

Der Moses Mendelssohn-Preis wurde 1979 zum 250. Geburtstag des jüdischen Aufklärers Moses Mendelssohn auf Initiative der Mendelssohn-Gesellschaft vom Senat begründet und wird alle zwei Jahre vergeben. 2024 ging der Preis an Oz Ben David und Jalil Dabit vom palästinensisch-israelischen Restaurant Kanaan in Berlin, das inzwischen leider geschlossen ist.

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