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Montag, 18. März 2024

"Wir brauchen hunderte, tausende House of One!"

Interreligiöser Iftar - Ramadan Fastenbrechen im House of One
Interreligiöser Iftar des House of One: Frank Schwabe, Beauftragter der Bundesregierung für weltweite Religions-und Weltanschauungsfreiheit
Interreligiöser Iftar des House of One: Frank Bewig, Bezirksbürgermeister von Berlin-Spandau
Interreligiöser Iftar des House of One: Theologin Kübra Dalkilic, Imam Kadir Sanci und Muzzafer Toy, Geschäftsführer des Campus Wilhelmstadtschulen
Interreligiöser Iftar des House of One: Muezzinruf von Onur Alka
Interreligiöser Iftar des House of One:
Interreligiöser Iftar des House of One: Anna-Nicole Heinrich, Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschland EKD
Interreligiöser Iftar des House of One: Maria Lazri und Bünyamin Baykus, das pädagogische Leitungsteam der Wilhelmstadtschulen in Berlin-Spandau
Interreligiöser Iftar des House of One: Theologinnen Kübra Dalkilic und Patricia Böckmann erzählen über die Bildungsarbeit des House of One
Interreligiöser Iftar des House of One: Blick in den Saal
Interreligiöser Iftar des House of One: Rabbiner Andreas Nachama, Pfarrer Gregor Hohberg und Imam Kadir Sanci
Interreligiöser Iftar des House of One: Blick in den Saal

„Das gemeinsame Fastenbrechen zu Ramadan mit unseren jüdischen, christlichen, andersgläubigen oder nicht gläubigen Freundinnen und Freunden zeigt doch, dass wir bei allen Unterschieden in erster Linie Menschen sind.“ Das sagte Imam Kadir Sanci anlässlich des traditionellen interreligiösen Fastenbrechens des House of One in Berlin mit zahlreichen Gästen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Zum zweiten Mal waren die Wilhelmstadtschulen in Berlin-Spandau unsere großzügigen Gastgeberinnen. 

 

Trotz Krieg in Nahost aufeinander zu gehen

 

Der Fastenmonat Ramadan ist eine besondere Zeit für Musliminnen und Muslime. „Diese Zeit ist mehr als der Verzicht auf Essen und Trinken“, sagte Imam Sanci. Ramadan sei eine Zeit, in der muslimische Traditionen inzwischen vor allem positiv wahrgenommen würden. „Die Einladungen zum Fastenbrechen bringen muslimische und nicht-muslimische Deutsche zusammen, die sich sonst vielleicht nicht begegnen.“ Das sei eine wichtige soziale Funktion. „Der 7. Oktober und die Folgen auch in Deutschland haben uns einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, an einem Tisch zusammenzukommen - gerade wenn es schwer ist.“

Die Situation in Nahost war auf dem Fest trotz aller Fröhlichkeit präsent. Nicht zuletzt weil der brutale Angriff auf Israel durch die Hamas, das Leid der Geiseln und der darauf folgende furchtbare Krieg mit seinen tausenden Toten und dem unfassbaren Leiden der Palästinenser in allen Redebeiträgen und in den Gebeten zum Thema gemacht wurde.

 

Gemeinsam essen, miteinander sprechen, einander zuhören

 

Anna-Nicole Heinrich, Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), bekräftigte die Worte des Imams in ihrem Grußwort: „Gerade in diesen Zeiten braucht es Formate, die Menschen verschiedener Religionen einladen und zusammenbringen. Tische, an denen gemeinsam gegessen, miteinander gesprochen und einander zugehört wird. An einem Tisch sitzen: Darin liegt eine tiefe Symbolik des Miteinanders, des Austauschs, des gegenseitigen Respekts, des Zuhörens.“ Der Krieg im Gaza-Streifen wirke sich bis nach Deutschland auf das Miteinander von jüdischen, christlichen und muslimischen Menschen aus. "Wir spüren Anspannung auf allen Ebenen, erleben Antisemitismus und anti-muslimischen Rassismus in erschreckender Form." Gerade jetzt brauche es Formate, die Menschen verschiedener Religionen zusammenbringe. Und es brauche Vorbilder, die das verständnisvolle Miteinander vorleben. "Es beeindruckt, was das House of One als Institution und im Schulalltag mit seinen multireligiösen Teams leistet." 

Frank Schwabe, Beauftragten der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit und Kuratoriumsmitglied des House of One, erzählte von Erfahrungen aus seinem Wahlkreis Recklinghausen. Dort hatten muslimische Gemeinden Pakete mit Schweinefleisch und beschmutzten Koranausgaben erhalten. Gleichzeitig trauten sich in Berlin jüdische Studierende nicht mehr an die Uni, während palästinensische Deutsche in Sorge um ihre Angehörigen lebten.

 

"Wir brauchen hunderte, tausende House of One!"

 

 "Das alles findet statt im Schatten dieses Konfliktes in Nahost", sagte Schwabe. "Wir bräuchten eigentlich hunderte, wenn nicht tausende House of Ones! Sie haben sich der Idee verschrieben, Hass und Spaltung zu überwinden. Das ist genau, was wir brauchen." 

In diesem Zusammenhang betonte der Bürgermeister von Berlin-Spandau, Frank Bewig, die Bedeutung interkultureller Bildung, die thematischer Schwerpunkt des Abends war. An den Wilhelmstadtschulen mit ihrer vielfältigen Schüler- und Lehrerinnenschaft würde diese vorbildlich umgesetzt. Darüberhinaus sei das Miteinander in einer Gesellschaft wichtig, sagte Bewig: "Nicht übereinander reden, sondern den anderen kennen- und verstehen lernen, wie er tickt. Daher ist es so wichtig, dass wir Begegnungsmöglichkeiten, wie dieses interreligiöse Fastenbrechen, schaffen."

Über die Bedeutung interkultureller Bildung herrschte Einigkeit. Wie aber kann sie im schulischen Alltag umgesetzt werden? Was machen Lehrerinnen und Lehrer, wenn es wie nach dem 7. Oktober auf einmal schwer wird, Empathie für Menschen zu zeigen, die man jeden Tag in der Schule trifft? Darüber sprachen das jüdisch-muslimische Schulleiter-Team der Wilhelmstadtschulen, Maria Lazri und Bünyamin Baykus

 

Bildung durch Vorbild

 

Wenn Lehrerinnen und Lehrer selbst nicht weiterkommen oder ihr Wissen zu religiösen Zusammenhängen erweitern möchten, wenden sie sich zunehmend an das Bildungsteam des House of One. Kübra Dalkilic und Patricia Böckmann stellten die Arbeit des multireligiösen Teams vor. Allein 2023 kamen die jüdischen, christlichen und muslimischen Referentinnen und Referenten mit über 2.000 meist jungen Menschen, aber auch mit Lehrerinnen, Referendaren oder anderen in den House of One-Workshops in Kontakt. Auch hier hat die Nachfrage seit dem 7. Oktober noch einmal stark zugenommen. "Mit unseren Schulbesuchen und Workshops wollen wir Vorurteile aufbrechen. Wir öffnen Räume, wo Fragen möglich sind, wo wir zuhören, wo wir mehr übereinander erfahren", sagte Patricia Böckmann. Und Kübra Dalkilic ergänzte: "Allein dass wir - im Idealfall - jüdisch-muslimisch-christlich auftreten, ist für viele ein Augenöffner." Dass vor allem Juden und Muslime gemeinsam auftreten, ja, befreundet sein können, ist für viele Schülerinnen und Schüler überraschend und neu. Bildung durch Vorbild. 

 

Im Anschluss an diese Beiträge beteten Pfarrer Gregor Hohberg, Rabbiner Andreas Nachama und Imam Kadir Sanci nacheinander und jeder in seiner eigenen Tradition für Frieden und die Opfer beider Seiten des Konflikts auf unserem Kontinent und im Nahen Osten. Mit dem Ruf des Muezzin wurde dann - mit leichter Verspätung - das Fasten gebrochen. 

In diesen herausfordernden Zeiten tat es allen Gästen sichtlich gut, mit jüdischen, christlichen, muslimischen und vielen anderen bisher unbekannten Tischnachbarn bei gutem Essen ins Gespräch zu kommen. Dieser Abend hat die Anwesenden einmal mehr erfahren lassen, dass Dialog, das gegenseitige Kennenlernen und Zuhören eine erster Schritt hin zu einem friedlichen Miteinander ist. 
 


 

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