Mittwoch, 8. Mai 2019

8. Mai: Wachsam sein und zusammenstehn

Sie ist klein und rot. Die Ansteckblume aus Filz leuchtet an den Revers der Jackets, den Krägen der Mäntel oder ist an den Schals der Menschen zu sehen, die sich am Sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten in Berlin versammelt haben. Vor 74 Jahren kapitulierte das national-sozialistische Regime in Deutschland, der Zweite Weltkrieg endete. Die rote Mohnblume ist ein Symbol, ein Erinnerungszeichen an die Menschen, die im Krieg gestorben sind. Jeder trägt sie an diesem Tag, auch die Botschaftsvertreter zahlreicher Länder, die Politiker und die wenigen, hochbetagten Überlebenden.

 

"So erinnern wir uns heute an das vergangene Leid, hervorgerufen durch Krieg und menschlichen Wahnsinn, an die gefallenen Soldaten, die unschuldige Zivilgesellschaft und an die Millionen verwaister Kinder in Kriegsgebieten", sagt Imam Örs in seinem Bittgebet. Gemeinsam mit Kantorin Esther Hirsch und Pfarrer Gregor Hohberg ist er als Vertreter des interreligiösen Friedensprojekts, House of One, eingeladen worden. Neben Erzbischof Heiner Koch, Pfarrer Oleh Polyanko (Ukrainische Orthodoxe Kirche), Pfarrer Serhij Dankiv (Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche) und Boris-Baruch ben Izrael haKohen Schapiro (Jüdische Gemeinde zu Berlin) gestalten sie die Trauerfeier.

 

"Wir Deutschen haben schwere Schuld auf uns geladen", sagt Pfarrer Hohberg. "Unabhängig davon, wie Hass und Gewalt gesät wurden und immer wieder gesät werden, ob aus religiösen oder ideologischen Gründen, erbitten wir Vergebung. Vergeben, nicht vergessen ist der erste Schritt zu einem versöhnten Miteinander von Menschen, die einst Feinde waren, ist der erste Schritt zum Frieden."

 

Verschiedene Religionen gemeinsam im Gebet, das ist ein hoffnungsfrohes Zeichen für die Zukunft. Oder wie Osman Örs auch in seinem Gebet nach vorne blickt: "Wir machen uns bewusst, dass auch unsere Gegenwart mit Leid erfüllt ist und wir die Verantwortung tragen - heute mehr denn je - wachsam zu sein und zusammenzuhalten, in Demut und in Wertschätzung der Vielfalt Deiner Schöpfung und unserer pluralen Welt. Uns obliegt es, ein besseres Morgen zu schaffen und unseren Kindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen."

 

Der Botschafter der USA, Richard Grenell, Kultursenator Klaus Lederer, aber auch Vertreter des Bundestags oder des Berliner Abgeordnetenhauses legen Kränze nieder, begleitet von den Klängen des Landespolizeiorchesters: "Ich bete an die Macht der Liebe".