Sonntag, 4. November 2018

Abschied von Dirk Pilz

In großer Traurigkeit müssen wir Abschied nehmen von unserem Freund und Kollegen Dirk Pilz.

Er prägte in den vergangenen fünf Jahren das Entstehen und Wachsen des House of One – als ein Intellektueller im besten Sinne, wie er in unserer Zeit so selten geworden ist; als promovierter Germanist und Philosoph mit so viel Weitblick in die Theologie hinein, wie es sich in besonderen Fällen bei Menschen ereignen kann, die gerade nicht an der Universität Theologie studiert haben. Ein Rat- und Ideengeber also für das House of One, ein Einweiser in die jeweils aktuellen akademischen Debatten und ein kluger Moderator vieler, ganz verschiedener Veranstaltungen unserer Stiftung.


Nichts wäre angesichts des religiösen Kontextes des House of One naheliegender, als nun, konfrontiert mit dem Tod, von dem Trost der Religion(en) zu sprechen. Wissen wir, als Trost, Dirk Pilz jetzt „in Gottes Hand“? Er selbst hätte das, wenn überhaupt, im Sinne einer Hoffnung akzeptiert. Im Juni dieses Jahres, gerade von einem Krankenhausaufenthalt nach Hause gekommen, erschöpft und bemüht, sich zu arrangieren mit der allgegenwärtigen Unsicherheit seines Lebens, schrieb er, dass gerade jetzt „kurioserweise“ in der ZEIT sein Text erschienen sei, mit dem er deutlich mache, dass Glaube nicht gleichzusetzen sei mit Trost.

Zwar gäbe es Trost, aber das bedeute nicht automatisch ein Getröstet-Sein für den Menschen – und diese Spannung mache präzise die Existenz eines religiösen Menschen aus. Also nicht in einen ‚billigen Trost‘ sich zu flüchten und dort nach einer trügerischen Ruhe zu suchen, sondern die den Dingen innewohnende Kompliziertheit auszuhalten und sie zu bedenken, auch wenn die Flucht, denkt man an seine Krankheit, nur zu verständlich gewesen wäre – diese Konsequenz habe ich bei Dirk Pilz bis zum Ende erlebt, eine existentielle, religiöse und intellektuelle Tapferkeit, die ich nicht vergessen werde; eine Haltung, die auch der weiteren Entfaltung des House of One unendlich gut getan hätte.


Ein übergroßes Bedürfnis nach Ruhe hatte er dennoch, er schrieb es in den letzten Monaten mehrfach; Ruhe angesichts der fortwährenden Ungewissheit, Ruhe nach den anstrengenden Therapien. So etwas wie eine Kur in den Bergen wünschte er sich, oder einen privaten Schlüssel für die kleine Bibliothek, die es dereinst im House of One geben wird. Keine trügerische, sondern eine echte Ruhe möge er nun haben – und mögen seine Frau und die beiden Kinder Kraft finden in diesen so traurigen Tagen.  


Wir sind Dirk Pilz für alles unendlich dankbar.

 

Für die Stiftung House of One – Bet- und Lehrhaus Berlin
Roland Stolte