Donnerstag, 7. März 2019

Danksagung an Frau Dussmann

Mit Bedauern hat die Stiftung House of One – Bet- und Lehrhaus Berlin die Entscheidung von Catherine von Fürstenberg Dussmann aufgenommen, die interreligiöse Arbeit des Hauses erst einmal nicht weiter fördern zu wollen. „Wir bedanken uns für die vielen Jahre der vertrauensvollen und schönen Zusammenarbeit mit Frau Dussmann“, hat Roland Stolte, der Verwaltungsdirektor der Stiftung, am Donnerstag nach Bekanntwerden der Entscheidung der Unternehmerin gesagt. 

Der von Frau Dussmann formulierte Wunsch, den sie noch nicht erfüllt sah, nach einer breiten Beteiligung muslimischer Akteure entspricht der Charta des House of One und ist Teil der Arbeit und Aufgabe, die sich die Stiftung mit ihrer Gründung selbst auferlegt hat. Dies gilt übrigens in gleicher Weise für die jüdische wie auch die christliche Seite.

 

Interreligiöse Verständigung in kleinen Schritten

 

„Dass das nur in kleinen Schritten geschehen kann, ist Teil unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit“, sagte Roland Stolte weiter. Das habe nicht zuletzt die Deutsche Islam Konferenz Ende vergangenen Jahres einmal  mehr gezeigt, zu der das Bundesinnenministerium auch das House of One eingeladen hatte. „In diesem Sinne haben wir mit Unterstützung unseres muslimischen Partners Forum Dialog seit acht Jahren Gespräche mit zahlreichen muslimischen Gemeinden und Verbänden in ganz Deutschland geführt." Das zeigt, dass die Annäherung einen langen Atem braucht. "Den haben wir", sagte Stolte.

Imam Kadir Sanci, Mitglied des Präsidiums der Stiftung, sagte: "Der Dialog scheitert nicht an fehlendem Bemühen unsererseits. Ich selbst habe mich seit 2012 immer wieder in zahlreichen persönlichen Gesprächen bemüht, weitere Muslime und muslimische Verbände für das House of One zu gewinnen. Auf vielen Ebenen ist das auch gelungen."

So gibt es schon lange einen intensiven Austausch und enge Kooperationen mit muslimischen Persönlichkeiten und Institutionen. Dazu zählen etwa die sunnitischen und schiitischen Theologen der Universität Paderborn, während des Architekturwettbewerbs der Orientalist Navid Kermani und der Religionssoziologe Rauf Ceylan, die Junge Islam Konferenz, Sunniten aus dem nordirakischen Kurdistan, unser Projektboschafter Imam Ali Alliyef aus Georgien oder das Oberhaupt der zentralafrikanischen Muslime, Imam Layama Kobine, der kommende Woche in Berlin zu Besuch sein wird.

"Unser Dialog, der auf Augenhöhe mit Juden und Christen im House of One stattfindet, steckt natürlich voller Herausforderungen. Denen stellen wir uns immer wieder", sagt Imam Sanci. Der Putsch in der Türkei habe dies sicher nicht einfacher gemacht. "Wir werden in unserem Bemühen dennoch nicht nachlassen, weitere muslimische Partner mit ins House of One zu nehmen - das sehen wir auch als Chance, neue Wege im interreligiösen Weg zu gehen jenseits festgefahrener, politisierter Konstellationen ."

 

Das House of One ist notwendig

 

Rabbiner Andreas Nachama, der dem Stiftungsrat des House of One vorsitzt, sagte: „Die aktuelle Situation zeigt einmal mehr die Notwendigkeit eines Verständigungsprojekts, wie das House of One eines ist. Wir wollen aus diesen existierenden Problemen Chancen erschaffen für einen Dialog 4.0.“ Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass Muslime in Deutschland aus sehr unterschiedlichen Regionen und mit sehr unterschiedlichen Prägungen nebeneinander leben. Insofern gebe es keine gewachsenen oder gar gemeinsamen Strukturen, wie etwa in den christlichen Kirchen oder eine Einheitsgemeinde wie auf der jüdischen Seite. „Dass die aktuelle innenpolitische Situation in der Türkei dazu führt, dass unser Kooperationspartner in Schwierigkeiten gerät, zeigt auch den Einfluss, den die Herkunftsländer noch immer auf die hiesigen Muslime haben“, sagte der Rabbiner.