Hamburg, Halle, Hanau - gemeinsam gegen Hass

Juden, Christen und Muslime – Frauen wie Männer – des House of One laden zum gemeinsamen multireligiösen Gedenken am 9. Oktober, dem Jahrestag des Terroranschlags in Halle ein. Hier kann das Gebet vom Livestream verfolgt werden.

 

Mitwirkende:

Rabbiner Andreas Nachama (House of One)
Pröpstin Christina-Maria Bammel (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, EKBO)
Pfarrer Gregor Hohberg (House of One)
Imam Kadir Sanci (House of One)
Rabbiner Jan Aaron Hammel (Chabad Lubawitsch)
Pfarrer Andreas Goetze (Pfarrer für den Interreligiösen Dialog der EKBO)
Peter Amsler (Baha'i)
Reverend Christopher Jage-Bowler (St. George's Anglican Church)
Michael Bäumer (Buddhist, Soka Gakkai)
Christiane Ueckermann (Buddhistin, Bodhicharya)
Petra-Beate Schildbach (Sufi-Bewegung)
Kantorin Esther Hirsch (House of One)
Imam Said A. Arif (Khadija Moschee)

 

Eine Woche vor dem Jahrestag des Überfalls auf die Synagoge, erschüttert ein weiteres antisemitisches Gewaltverbrechen Deutschland. Ein Student mit Kippa wird in Hamburg vor der Synagoge angegriffen und schwer verletzt. Nicht schon wieder! So lauteten viele spontane Reaktionen. Gerade ein Jahr ist es her, dass ein Bewaffneter versuchte am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, die vollbesetzte Synagoge zu stürmen. Das misslang, doch starben Jana L. und Kevin S., wahllos ausgesuchte Opfer, an diesem Tag.

In Worten und Gebeten will das House of One mit zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern an Jana L. und Kevin S. während eines Friedensgebets in der Berliner Parochialkirche am 9. Oktober 2020 um 10 Uhr erinnern. Der neuerliche Überfall unterstreicht die Dringlichkeit.  „Wir dürfen nicht schweigen“, sagt Pfarrer Gregor Hohberg vom House of One. Aus Trauer solle nicht neuer Hass, sondern ein respektvolles Miteinander erwachsen. „Ich bin mir sicher, dass die ganz große Mehrheit in dieser Gesellschaft diesen Hass, diese Taten aus tiefstem Herzen verurteilt.“ Das gilt es zu zeigen.

Imam Kadir Sanci fügt hinzu: „Die friedliebende Mehrheit muss lauter werden. In dieser Zeit, in der blinder Hass auf Andersgläubige, Andersdenkende oder Andersaussehende immer wieder umschlägt in Gewalt, ist das wichtiger denn je. „Wir müssen unsere Solidarität immer wieder, nicht nur an Tagen wie diesen zeigen.“

Halle ist kein Einzelfall, wie das Geschehen in Hamburg zeigt. Jeden Tag werden Deutsche jüdischen Glaubens in Schulen, in der Öffentlichkeit, im Internet oder den sozialen Medien beleidigt, verächtlich gemacht oder als Teil von Verschwörungsmythen verunglimpft. Jeden Tag werden auch Deutsche, die von manchen Verirrten als nicht deutsch genug empfunden werden, Opfer von Beleidigungen bis hin zur Gewalt. Das erschütterndste Beispiel aus jüngerer Zeit, ist das Attentat in Hanau vor gut einem halben Jahr, als neun Menschen in einer Bar erschossen wurden. Auch an sie soll an diesem Tag erinnert werden.

"Eine demokratische Gesellschaft ist wie eine Kette, die nur so stark sein kann wie ihr jeweils schwächstes Glied", sagt Rabbiner Andreas Nachama vom House of One. Es sei noch viel zu tun auf dem Weg zu einer Gesellschaft, in der es keine Opfer ausgrenzender Gewalt mehr geben werde. "Es geht darum, dass niemand mehr ausgegrenzt und damit angreifbar wird."

 

Das Gebet wird live gestreamt über die Webseite des House of One. Gäste können leider nicht teilnehmen, da in der Parochialkirche Umbauarbeiten stattfinden und daher die coronabedingten Abstände nicht eingehalten werden können.

Weitere Veranstaltungen

Sonntag, 16. August 2020 - 10:30

Ein Gottesdienst im Zeichen des jüdischen-christlichen Austauschs

Die evangelischen Kirchen feiern am "Israelsonntag" jedes Jahr den jüdisch-christlichen Dialog. Kantorin Esther Hirsch von der Synagogengemeinde Sukkat Schalom und Pfarrerin Corinna Zisselsberger von der St. Petri - St. Mariengemeinde in Berlin - zwei von drei Gründungsgemeinden des House of One - gestalten gemeinsam diesen besonderen Gottesdienst in der Marienkirche auf dem Berliner Alexanderplatz. Musikalisch begleiten den Gottesdienst der Geiger Jörg-Michael Krah sowie Organist Jonas Sandmeier. Bitte beachten Sie die Hygiene- und Sicherheitsregeln vor Ort.

Mittwoch, 24. Juni 2020 - 18:30

Johannistag - Sommersonnenwende und Heiligengeburtstag

Johannes der Täufer ist ein interessanter Heiliger. Neben Jesus und Maria ist er der einzige christliche Heilige, an dessen Geburtstag erinnert wird. Die St.Petri-St.Mariengemeinde feiert dazu einen Videogottesdienst über ihren YouTube-Kanal. Worum es an diesem Tag geht, lesen Sie hier.



 

Donnerstag, 14. Mai 2020 - 14:00 bis 14:15

Weltweiter Gebetsaufruf für Solidarität in Corona-Zeiten

Juden, Christen und Muslime des House of One sind am 14. Mai dem weltweiten Gebetsaufruf für Zusammenhalt über alle Unterschiede hinweg gefolgt. Die Corona-Pandemie hat die Verletzlichkeit der Menschheit deutlich gemacht. Diese - leider tragische - Erfahrung verbindet die Menschen rund um den Globus. Das hat den "Hohen Ausschuss für die menschliche Brüderlichkeit" (HCHF) mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten veranlasst, Angehörige aller Weltreligionen zum gemeinsamen Gebet für die von der Krise Betroffenen virtuell im Gebet zu vereinen.

Dienstag, 14. April 2020 - 12:00

Grundsteinlegung des House of One abgesagt

Nach über zehn Jahren intensiver Diskussion, Ideenentwicklung und Planung sollte an diesem Dienstag der Grundstein für das House of One gelegt werden. Dieser wichtige Schritt hin zur baulichen Vollendung des multireligiösen Friedensprojekts musste - wie alle anderen Veranstaltungen in diesen Tagen - wegen der Corona-Sicherheitsvorkehrungen abgesagt werden. Ein neuer Zeitpunkt steht noch nicht fest.

Mittwoch, 25. März 2020 - 18:30

Maria in Judentum, Christentum und Islam

Gottesdienst an Mariä Verkündung, dem Tag, an dem Erzengel Gabriel der Jungfrau die Geburt Jesu verkündet. Nicht nur Christen, auch Juden und Muslime kennen Maria. Die Vorstellungen von ihr sind allerdings recht unterschiedlich.



 

Freitag, 21. Februar 2020 - 12:00

Die Rückkehr des Gottesnamen Jahwe

In Zeiten wachsenden Antisemitismus setzt die Berliner Gemeinde St. Petri-St. Marien gemeinsam mit Rabbiner Andreas Nachama (House of One) ein Zeichen der Mahnung und Versöhnung. Mit einem interreligiösen Friedensgebet wird nach über 80 Jahren eine Replik des einstigen Tetragramms (der hebräische Gottesname JHWH) an die Parochialkirche angebracht.