Freitag, 30. Oktober 2020

Morde von Nizza: Der Islam wird missbraucht

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Mit Sprachlosigkeit und unendlicher Trauer haben wir – Juden, Christen und Muslime – vom House of One von dem brutalen Mordanschlag in der französischen Stadt Nizza Kenntnis genommen.

Die Geistlichen und alle Mitarbeitenden im House of One verurteilen diesen Terror im Namen von Religion. "Wir sitzen uns gegenüber in gegenseitigem Respekt und Liebe", sagt Rabbiner Andreas Nachama, der mit Pfarrer Gregor Hohberg und Imam Osman Örs in einem multireligiösen Friedensgebet (Die Videoaufzeichnung finden Sie weiter unten im Text) der zwei Frauen und des Mannes gedenkt, die in der Kathedrale von Nizza ermordet wurde. Pfarrer Gregor Hohberg: "Wir suchen gemeinsam - Juden, Christen und Muslime im House of One - nach Trost und Verständigung."

 

"Allahu akbar - groß allein bist nur Du"

 

"Allahu akbar" - mit diesen Worten beginnt Imam Osman Örs ganz bewusst seinen Beitrag. Der Mörder hat sie gerufen und seine Tat damit anscheinend begründen wollen. "Doch diese Wort sind weit davon entfernt, auch nur den Hauch von Gewalt in sich zu tragen. Mit diesen Worten beginnen wir Gläubige unser tägliches Gebet. Mit diesen Worten suchen wir die Verbindung zu Gott und den Frieden", so der Geistliche. "Wir, Muslime, müssen uns nicht nur entschieden gegen solche Gewalt aussprechen, sondern auch entschieden Wege suchen, diesen Befürwortern von Gewalt jeglichen gedanklichen Nährboden zu entziehen."

 

 

 

Am Tag zuvor, dem Tag des Attentats, sagte Imam Kadir Sanci: „Wie hasserfüllt und verstört muss man sein, um eine solch unmenschliche Tat zu begehen. Ich finde kaum noch Worte. Zu oft haben wir über solche Unmenschen klagen müssen. Auch diesmal werden wir beten - jeder in seiner Tradition - für die drei Getöteten, die Verletzten, die Angehörigen. Unser tiefstes Mitgefühl, unsere Gedanken und Trauer sind mit ihnen.“

 

"Das ist kein Kampf zwischen Christentum und Islam"

 

 

 

 

Dabei will es Imam Sanci und die Mitstreiterinnen und Mitstreiter im House of One aber nicht belassen. „Wir werden uns durch solche Unmenschen nicht von unserem Weg der Verständigung und des Miteinanders zwischen Menschen jeglicher Religion und Weltanschauung abbringen lassen. Wir halten zusammen.“ Nur so, durch Vorbild und Beispiel, könne man solchen verirrten Menschen, Muslimen, Wege aus diesem Netz des Grauens aufzeigen. „Das ist kein Kampf zwischen Christentum und Islam. Religion, in diesem Fall meine Religion, wird missbraucht.“

Die Mehrheit der Menschen, da ist sich Imam Sanci sicher, verurteile diesen Hass und daraus folgende Taten aus tiefstem Herzen. „Wir sind alle Geschöpfe des einen Gottes. Möge Gott uns beistehen! “